time is going on, 7. April - 23. Mai 2019


Andrea Freiberg: „time is going on“ Installation, Fotografie, Druckgrafik, Zeichnungen



vom 7. April bis 23. Mai 2019, Galerie im DreiGiebelHaus, Kapitel 18, Xanten

Eröffnung: Sonntag, den 7. April um 12 Uhr

Öffnungszeiten: Di bis Fr jeweils von 14 bis 17 Uhr, Mi und Sa jeweils von 9 bis 13 Uhr









Zeit vergeht sich an den Dingen und Orten: belebt, benutzt und verändert. Nichts bleibt, wie es war. Erinnerungen sind wie Schmetterlinge oder Gespenster. Was zurück bleibt, ist Geschichte. Zitat: Andrea Freiberg






Mitternacht ist es und nicht der frühe Morgen
erzähl mir nicht, du müsstest nach dem Luftschiff sehn.
aus: Das Meer an sich ist weniger



Jedes Kind, und rutscht es auch noch auf seinen Knien, lallt den Namen Zeppelin.
Gassenhauer

Text für Andrea Freiberg als Glückwunsch zu ihrem Geburtstag

Zitat des Tages: Allein die Luftschifffahrt wirft alle unseren Kulturbegriffe über den Haufen - Wir Luftschiffer des Geistes. Nitzsche

Einmal in Tunesien hing ich an einem Fallschirm, ein Boot fuhr aufs offene Meer, zog mich im Schlepp, ich war da fast vierzig Jahre alt - und ich wunderte mich nur, was denn da bloß und wo meine angeborene Höhenangst hin war?

Auf Rügen musste ich im Jagdschloss Granitz, einem Rundgebäude (drinnen wie das Innere eines Luftschiffes oder Gasometers) die schmale Treppe an der Wand entlang über viele Stufen tapsen, um ganz oben anzukommen, dort dann Aussicht zu halten. Die Stufen waren aus Eisen und löchrig waren sie zudem. Ich lernte dort vorwärts zu sehen beim Treppegehen, niemals hinunter zu blicken, willst du hoch hinaus bis aufs obere, das Dach steigen. Diese käselöchrigen Stufen wurden für mich zu einem langen stolzen Siegertreppchen.

Und immer wieder kommt mir zur Nacht der Traum vom Fliegen, ganz wie er mir als pubertierender Bursche oft gekommen ist. Und mir ist heute immer noch im Schlaf sehr bange vor der Bruchlandung. Ich fürchte mich davor, dass es übers Meer geht und zu neuen Ufern, dass ich sie nicht mehr erreichen werde. Und ich denke: Jetzt, wo ich fliegen kann, jetzt wo ich liebe, jetzt wo das Buch geschrieben ist und es losgehen kann mit Reisen und Huldigungen, Glück und den Lesetouren, darf ich nicht abstürzen.

Die Dichter und Lyriker huldigen hymnisch dem Luftschiff. Der Flieger grüsst die Sonnen mit den drei Flecken im Gesicht (Hans Albers). Der Flieger beherrscht die Luft und also die Natur und Technik. Hermann Hesse ließ es sich nehmen einer der ersten Zeppelin-Fluggäste zu sein. Mit 34 Jahren (1911 - für alle Hesse-Fans). Das Schiff trug den Namen Schwaben, ähnlich dem Wort schweben. Er huldigte danach jubelnd der Vogelperspektive.

Zur Geschichte: Das erste Luftschiff war 128 meterlang und mit elftausend Kubikmeter hochexplosivem Wasserstoff, also 13 Tonnen schwer, die Technik reichte nicht aus, es vernünftig zu lenken. Am 5. August 1908 war ein Schiff mit Bezeichnung LZ 4 von Friedrichshafen aus zur Testfahrt aufgebrochen, einen Tag später bei einer Sturmböe in Flammen aufgegangen. Zurück blieb ein abgebranntes Skelett, sein Erfinder, Graf Zeppelin, war ebenso am Boden zerstört, und musste sich vom Kaiser Wilhelm höchstselbst als den Dümmsten aller Süddeutschen verspotten lassen. Aber ein Gutes hatte dieser schreckliche Unfall, er löste eine Zeppelin-Euphorie sondergleichen in nie gekannter Wucht aus. Man träumte plötzlich zusammen und in Gruppe das Meer zu überwinden, nach Amerika aufzubrechen, wie heute die feine Reisegruppe aus Duisburg Walsum eigens zur Ausstellungseröffnung andüste, um dabei zu sein. Überall hieß es nur noch: Wir fliegen bald über den großen Teich, um in New York Kaffee zu trinken, über den Wolken werden wir zu Orchestermusik tanzen. Im Herbst 1924 gelang es dann erstmalig, der Atlantik war bezwungen, überwunden, überflogen oder das Meer beschwebt worden. Nazigröße Göring nannte Luftschiffe Gassäcke und hatte kein sonderliches Interesse sie militärisch weiterzuentwickeln. Marlene Dietrich trauerte um ihren Onkel Max, dem Luftschiffskapitän, der einen Kriegszeppelin steuerte. Zum Menschheitstraum gehören Himmelsgefährte, Sonnenfahrzeuge, Dädalus und Ikarus sind uns bekannt. Ihr Flug mit Vogelfedern und Wachs, der schmolz. Und der Schneider von Ulm wollte seine Flugkunstvorstellen. Er versank in der Donau. Der Zeppelin erzielte in seinen großen, auch tragischen Zeiten, viel Spott, Mitleid, Bedauern, weil die Dinger rochen nach Benzin oder zumindest gefährlich bitteren Mandelstoff. Es gab um ihn viel Aufregung und Stille nach dem Jubel und Getön. Wahre Dramen spielen sich ab. Die Fliegerei erlebt ihre große Zeit durch ihn. Die Träume blieben. Und manchmal wird so ein Ding zum Objekten in der Kunst. Der nächste Traum hieß dann einmal um die ganze Welt, möglichst Non-Stop. Dann jedoch passierte das Hindenburg-Unglück im Mai 1937 in Lakehurst, fast hundert Menschen an Bord, 35 von ihnen fanden den Tod. Leadbelly heißt der Blueser, der dem Unglück seinen Gitarrensound und die Stimme schenkte. Es gibt von seinem Song nur leider keine Übersetzung im Netz. Wie es keine Übersetzung zu den Kunstwerken von Andrea Freiberg gibt, nur Ansätze, Versuche, seine Gedanken fliegen zu lassen, die sich setzen sollen wie Federvögelchen zu jedem einzelnen Objekt, Bild oder Gebilde. Apropos das Internet, die Netzwerke, auch daran denkt man, die rasend schnell heutzutage die Zeppeline der Kommunikation sind, das Ganze Dimension und Ausmaß erreicht.

Horvath schrieb: Ein Traum vom Fliegen, gibt den Menschen, die klein sich fühlen und gedrückt, geduckt umhergehen, das Gefühl, Liliputaner zu sein, und, dass Größe eine Illusion ist und Unabhängigkeit nicht zu erreichen.
Lion Feuchtwanger: Nobile und Amundsen konkurrieren und lösen Luftschiffskampf über Polareis aus. Irgendwie können sie nicht landen zerschellen im Packeis.

Lichtenberg schrieb im 18 Jahrhundert:
Ich habe die Gestalt der Erde bestimmt, und hier seht nur her, ist endlich in meinem 83ten Jahr ein Luftschilf gemacht.

Goethe schrieb: Ergötzen dich nicht aus die Luftfahrer? Man spricht von Freiheitsluft. Weg nur weg vom Kerker, dem kleben am Boden.

Peter Wawerzinek schrieb: Phantasie heisst abheben, sich luftige Bereiche der Gedankenwelt erobern. Ballon, Fallschirme. Höhenangst, Luftverknappung stehen dem Traum im Wege. Aber schön dran denken und nichts übertreiben, den vor Honolulu wurde einer der Tollkühnen, vor den Augen des Königs, von den Haifischen aufgefressen. Lust und Sehnsucht bleiben Antrieb für alle Kunst. O Zeppelin, oh Zeppelin du großer Wundermann nach Gott und Heiland bete ich dich zuerst an.

Ein letzter Gedanke: Die Schönheitsdoktoren malen mit blau-violetter Farbe auch solche Gebilde den Frauen, die um Veränderung ringen, Fülle verlieren wollen oder Erweiterungen anstreben, Zeppelin sehr ähnliche Skizzen aufs Fleisch. Oder die Implatate für die Brust, ihrer Konsistenz nach erinnern sie an schlaffe Luftschiffe, zumindest mit Wasser gefüllte Luftballons, die wir den Leuten aus dem Fenster heraus vor die Füsse warfen. Ein zweiter letzter Gedanke: Sie sagten: Leg dich in die Badewanne und du hörst, was die Leute in der Wohnung über dich denken. Die Wanne war das halbierte Luftschiff aus Eisen, viel zu schwer um abzuheben. Badewanne fand ich nicht so aufregend wie ich sie mir damals vorgestellt habe.

Ein bemerkenswerter Schlussgedanke: Jede Stadt ist voller Konstellationen. Jede Straßenkreuzung ist voller spröder Wunder. Eine Passantin weiß nichts von der Schönheit ihrer Stirnfalte, wenn sie auf den Verkehr achtet und über die Straße huscht. Ausstellung ist Einstellung, Fantasie heisst immer auch Um-Wege gehen, um Ausblick zu haben, wie man den Turm besteigt, um Anhöhen zu erobern. Man ist dann stehend = sehend auf der höchsten Ebene fast schon so etwas wie ein Zeppelin-Flieger.

Zusammenfassung: Kindskopf Andrea sucht dem menschlichen Irrsinn mit zerbrechlichen Müll entgegen zu wirken und schenkt uns Werke, „die nicht aus intellektueller Erkenntnis, sondern im Selbstlauf entstehen“. Sie verwendet Bruch und Wegwerfprodukte, bewahrt sie vor der letztendlichen Vernichtung. Nach der Ausstellung haben die Einzelteile als Installationszubehör ihre Zeit gehabt, ihr Leben verlängert, ihre Pflicht erfüllt. Sie wurden benutzt und gewandelt. Sie haben den Kunstbetrieb einmal durchlaufen und enden nun. Ich sitze mit Andrea am Tisch. Und denke plötzlich ehrfurchtsvoll: „Da gibt es eine Materie, die heißt Wasser, da kann man drin schwimmen. Das ist doch einfach unbegreiflich.“ Und ich sage: Da gibt es einen Kopf mit dem kann man fliegen, das ist doch noch viel mehr als einfach unglaublich oder? Denn die Ideen sollen Zeppeline sein und zwitschern, toben wie Kinder es dürfen und tun, wenn sie nur genügend gesund sind. Kunstkindskopf Andrea Freiberg verschafft sich inmitten von Hektik die nötige Ruhe im Leben, das Unwichtige zu registrieren. Die flüchtigen Erlebnisse sind so voller gestreifter Rätsel. Frischlinge sind sie. Mit allen Sinnen unterwegs sein, heißt vor allem dafür Sorge zu tragen, daß alles was man sieht, verwertbar wird. Das Triviale unbedingt an sich heran lassen! Sich vom Banalen in ehrfürchtiges Erstaunen versetzen lassen können! Das sind in unserer Zeit ganz stabile Beweggründe Kunst zu produzieren. Jede Kunst hat mit menschlichem Kontakt, nicht mit galeristischem Kalkül zu tun. In Gedanken bleiben, aus den Gedanken aussteigen, den Kopf verlassen, frei und außerhalb von sich sein, sich unter Umständen beim Erleben von außerhalb dabei zusehen. Und - der Künstler muß nur selbst zu seinem Vertriebssystem werden.

Man kann alles zusammenbringen. Man muß es nur tun. Die Frage ist:
Habe ich die Identität zum Material oder benutze ich es nur?


Peter Wawerzinek am 7. April 2019 in Walsum geschrieben






















Freiberg-Wawerzinek neu, Atelier Hoch², Fröbelstraße 10, Siegen

WP, 19.2.2019, Viktor Dobek
SZ, 22.2.2019, Dr. Gunhild Müller-Zimmermann

SPACE / CUT vom 22.09. bis 20.10.2018


Im Unterschied zur Gegenwart sind wir in der Konstruktion des Vorstellens immer selbst der Horizont in dem die Wirklichkeit erscheint.“ aus: Der Raum. Prolegomena zu einer Architektur des gelebten Raumes, Franz Xaver Baier


"TERRA NOVA" Fotobuch 76 tlg.10x15 cm,
Fotocollagen im DIN A5 ELBA RADO Ordner, 2013 
Andrea Freiberg zerlegt Orte mit der Schere und erzeugt Leerstellen in Situ und im Kontext realer Orte: Fotografien einer abgebrannten Fleischereifabrik in Danzig, ein stillgelegter Bauhof im Münsterland und ein Wohnhaus im Umbau. Entschleunigte Räume, Orte, welche gegen den Strom unseres eingerichteten, funktionalen Lebensalltags schwimmen, fehlerhaft und unwirklich, sind Auslöser ihrer künstlerischen Feldforschung und Auseinandersetzung. Die Bilder bezeugen die Spuren des Verfalls und gleichzeitig werden die beginnenden Prozesse der Umwertung und Vereinnahmung durch Mensch und Natur sichtbar.


Architektur aus der Funktion enthoben oder Orte im Umbruch verweisen auf ihren Gebrauch und Lebensalltag, welcher in Frage gestellt, brüchig und veränderbar erscheint, wobei der Stillstand eine ganz besondere Athmosphäre schafft. Schnittstellen und Brüche erzeugen einen seltsamen Schwebezustand für neue Wahrnehmungen und Imaginationen zwischen Sein und Schein.

In ihrem 76seitigen Fotobuch „TERRA NOVA“ dokumentiert Andrea Freiberg einen verlassenen Bauhof. Durch die Zerschneidung der zweidimensionalen Fotografien und die Schichtung in die dritte Dimension entsteht eine neue Choreografie des Raumes, ein Remix zwischen Wahrheit und Fiktion. Fehlstellen in den Szenen evozieren subjektive Erwartungen und Assoziationen. 


"Kofferraum" mobile Rauminstallation, 90 x 90, 5 x 15,2 cm, mixed media, seit 2001 über die Zeit
Foto: Marek Szewczik
Das variable Raumsystem der Koffer-Installation gleicht dem eines Spielfeldes. Anlass ist der verkleinerte Nachbau (Maßstab 1:10) eines real existierenden Innenraumes des ehemaligen Industriegebäudes „Altes Brauhaus“ aus dem späten 19. Jhd. in Siegen-Geisweid. Der „Kofferraum“ ist eine temporäre Rauminstallation. Die partizipative Performance des Bausystems richtet sich auf ein Ereignis hin und greift wesentliche Merkmale von Lebenswirklichkeit, wie Mobilität, Aufbruch und Wandel in einer abstrakten Modellwirklichkeit auf. 
Aus unterschiedlichen Perspektiven verändern sich die Größenordnungen und Raumverhältnisse, so wie Orte, Dinge und Beziehungen im historischen Wechsel der Systeme und Umgebungen an Bedeutung verlieren oder gewinnen. 

Stationen
2001 Siegen, ehem. Kaufhaus KERBER„Kunstwechsel IV“ Vorstellung
2003 Köln, KunstWerk e.V.„raumkontakt“ interaktive Aufstellung
2003 Siegen, ESG Galerie „auf wieder sehen“ Abschiedsaufstellung
2003 Warschau, Kulturfabrik Norblin „BRONORBLIN“ Raumbewahrung 
2004 Gdańsk, Długi Targ „Tischgespräch“ Interview mit deutschen Touristen zur aktuellen Stunde (3.5.04)
2004 Gdańsk, stocznia (Werft) „Vor der Pforte” Raumfrage
2005 Messe Düsseldorf, Große Kunstausstellung NRW, Dokumentation im White Cube
2008 Friedrichstr. 42, Siegen „jamais vu“, Performance mit Publikumsbeteiligung
2018 WVH2, Wilhelm von Humboldt Platz 2, Siegen, Partizipation: space und cut


“Fabrik 1zu33“ Lichtinstallation, 160 x 110 x 85 cm, mixed media, 2003







Das 160 cm hohe Tischobjekt gibt im Maßstab 1:33 die Architektur der Fabrikhalle der ehemaligen Walzengießerei ROLAND in Siegen wieder. Der Innenraum des Architekturmodells entspricht einer Grundfläche von 527 m² mit der Höhe bis zu 8,54 m in der Realität. Durch einen flacheren Anbau wurde die ehemalige Außenwand der Fabrikhalle zur Trennwand zweier Räumlichkeiten mit zwei großen Durchgängen. So kann man sich zwei parallel verlaufende Gangformen vorstellen, die längs durch die Mittelwand getrennt und durch zwei torartige Öffnungen gleichzeitig verbunden sind.

Das Modell der Fabrik spiegelt eine dem realen Ort innewohnende geheimnisvolle Atmosphäre im Gefühl der Verlassenheit wieder. Aus unterschiedlichen Einblicken verändern sich die Raumeindrücke zwischen Projektion und Wirklichkeit. Durch kleine Öffnungen sind Lichtzeichnungen an den Wänden im Inneren zu sehen, die den Raum durchschneiden. Die transparente Haube reflektiert den Außenraum im Inneren. 







aus „ONE MAN SHOW” M.E., 7 Kap. in Bd. 1-7, Studio cut in A5 Elba Rado, Fotocollagen laminiert, Schöppingen 2013, Installation 2018













aus der Serie „space cut“ entleerte Bilder, fotoprints auf MDF, 2018

ROLAND - new collection, 25.8.2018


ROLAND - new collection, Raumcollage, Andrea Freiberg 2018
"done twice" Rauminstallation, Cierlitza & Freiberg, Siegen 2018





















































Hintergrund der Intervention bildet das ausgediente Fabrikgelände der ehem. Walzengießerei ROLAND: ein Spielort des Verfalls und der Verwilderung, wie auch ein Ort der Zwischennutzung und Werterhaltung. Die Grenzen des Verfalls sind Auslöser für die bildnerische Spurensicherung.

ROLAND - new collection“ 2018, eine Raumcollage aus vakuumverschweißten Fundstücken und Bodenproben, welche auf dem Betriebsgelände gesammelt wurden, greift in die Biografie des Ortes ein. Die Folien schaffen einen optischen Filter zwischen verlorener Realität und verwandelter Bildwirklichkeit. Im Verhältnis zwischen Form und Rhythmus wird das Abseitige und Amorphe poetisisch verdichtet.

Die Installation „done twice“ 2018 entwickelte sich gemeinsam mit der Gastkünstlerin Jennifer Cierlitza vor Ort. Zwei digitale Bilder greifen das Motiv einer verhangenen Bühne auf, wobei der fotografische Auslöser zufällig jeweils zu unterschiedlichen Zeiten 2005 und 2017 gedrückt wurde. Die Bühne als Handlungsraum der Zwischennutzer in der Fabrikhalle transferiert zum digitalen Bildraum fotografischer Settings.

orten und konservieren, 6. Mai 2018


Petra Oberhäuser & Andrea Freiberg


Sonntag, 6. Mai 2018, 11.00 – 18.00 Uhr (um 17 Uhr passiert etwas)

in der ehem. Walzengießerei ROLAND, Eingang: Lohgraben 40, siehe Pfeile

orten und konservieren: work in progress

Parallelprozesse im Abseits
verführen Materialien und Artefakte
über die Grenzen ihrer
Gewohnheiten.

KUNSTSTOFF Siegener Kunsttag 2018

"ROLAND - new collection" work in progress, Andrea Freiberg 2018
"Fabrikfledermäuse" Installation, Petra Oberhäuser 2018



who is sitting in the glass house? 30. November 2017 - 9. Februar 2018

Kulturbahnhof Kreuztal: szenenwechsel XXXVIII




Who is sitting in the glass house?

Im Glashaus, in diesem Fall einer Vitrine - dem gläsernen letzten Heim vieler kulturhistorischer Relikte - stehen 59 befremdliche Gegenstände. Gleichartige Objekte, aufgereiht wie im Museum, stoisch und still. Sie bilden eine Ensemble aus kultisch anmutenden Gegenständen. Sie erinnern fern an Pokale, Totempfähle, Reliquiare aber auch an Banales wie Wasserpfeifen und Tischlampen. Rätselhaft, als ob man sie ihrer ursprünglichen Umgebung beraubt hätte, scheinen sie in ihrer formalen Kontinuität auf den Beginn einer Zeremonie zu warten.
Tritt man näher, um ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen, entfaltet sich die glatte Oberfläche zu einem Konglomerat von Abbildungen aller Art. Aus den Fugen geraten Collagen konfrontieren uns mit Altem, Neuem, Weltbewegendem und Vergessenem, kurz mit allem was das Bildmaterial einer Zeitung ausmacht, nämlich Informationen mit Eyecatchern zu versehen. Als Eyecatcher funktionieren die Bilder auch hier. Sie bringen uns der Bedeutung der Gegenstände nicht näher, aber sie drängen die Frage vorerst in den Hintergrund. Fasziniert betrachten wir bekannte und unbekannte Menschen, deren Gesichter zurück schauen. Personen, Gesten, Geschehnisse werden verknüpft und zu neuen Bildern und Geschichten zusammengefügt. Man muss lachen, man erschaudert, ist erstaunt und irritiert.
Treten wir wieder zurück, fällt ein weiterer Aspekt der Ansammlung ins Auge, denn diese sind nur nur formal zusammenhängend, sondern weisen auch farbliche Konvergenzen auf. Die Farbschattierungen eines jeden Gegenstandes unterliegen einer Farbe, es gibt rötliche, bläuliche, grünliche, gelbliche und zum Weiss neigende Färbungen. So wird das kultische, an ferne Hochkulturen erinnernde majestätische und erhabene Gesamtbild der Gegenstande gewahrt, welches nur durch die gelegentlich ins Auge springenden Plastikschläuche und Glühlampen etwas ins Wanken gerät.

Auch in dieser Installation Andrea Freibergs wird eine Vielzahl künstlerischer Techniken und Fragestellungen bearbeitet. Es geht nicht um die Schaffung eines Werkes, eines Bildes oder einer Plastik, immer ist der Raum mit einbezogen, den sie bespielt, immer ist es ein im Prozess entstandener Zusammenschluss transformierter Objekte. Sie fotografiert, malt, zeichnet, collagiert, baut auf, druckt und stellt am Schluss des Prozesses alles in einen neuen Kontext. Nichts bleibt wie es ist im Werk von Andrea Freiberg, alles ist Veränderungen unterworfen, das macht sie sichtbar.


Dabei spielt der Ort immer eine grosse Rolle. Ihre in-situ-Arbeiten, also ortsbezogen und die Umgebung mit einbeziehend, führen zu einer individuellen Auseinandersetzung mit der Umgebung, die durch die Exponate anders wahrgenommen werden. So sind die hier ausgestellten Objekte nach und nach entstanden und wurden erstmals in der Sauna des Löhrtorbades gezeigt, als diese bereits dem Verfall preisgegeben war. Die würdevolle Anmutung stand dort im Gegensatz zu abblätternder Farbe und einem leeren Schwimmbecken.
Hier hingegen, in einer polierten lang gestreckten Glasvitrine, gewichtig in einem nachvollziehbaren Ordnungssystem aufgestellt, wirken sie hoheitsvoll, emporstrebend und originär. Kunst in Vitrinen ist immer wertvoll, Vitrinen bieten Schutz vor Zugriff und Staub. Sie schaffen Distanz zum Besucher, der darin Dinge bestaunt, die meist sehr alt sind und uns ferne und vor allem fremde Zeiten näher bringen sollen. In Vitrinen dieser Art werden meist Entwicklungen gezeigt, ein Abschreiten ist nötig, um, wie in an einem Zeitstrahl, Dinge und Ereignisse in einen Zusammenhang zu bringen. Hier wird uns keine Entwicklung vorgeführt, alle Objekte sind gleichartig, kein Hinweisschild klärt auf über Zeit, Ort, Bedeutung.

Die Vitrine entpuppt sich als ironisches Zitat. Die Dingbedeutsamkeit und Einzigartigkeit der Exponate wird allein durch die K
ünstlerin bestimmt. Ihr Geheimnis wird gelüftet, wenn man die wenigen nicht beklebten Objekte betrachtet. Es handelt sich um banale, auf einander gestapelte Haushaltsgegenstände, deren ursprüngliche Bedeutung in der Komposition eine Umnutzung erfährt. Die Umnutzung der Alltagsdinge unterläuft die eigentliche Bestimmung der Museumsvitrine, die ja gerade Ausseralltägliches‘ zeigt.
Die Anordnung erfolgt auf einem Baugerüst, ein Gegenstand des Draussen, nach Innen importiert, um die zu erwartenden fragilen, transparenten Glasplatten zu ersetzen, die ansonsten die Stellflächen der Museumsvitrine bilden. Wieder wird die Museumsvitrine in ihrer feierlichen Erscheinung hinterfragt.

Ein subtiles Spiel mit Erwartungen bietet uns Andrea Freiberg hier. Sie stapelt hoch, im wahrsten Sinne des Wortes. Vasen, Teller, Töpfe und Krüge bekommen eine einheitliche Oberfläche und mutieren zu Schachfiguren, Türmen, Figurinen und Kultgefäßen. Ihre starke Präsenz verdanken sie der Umdeutung, deren Sinn wir zu ergründen suchen. In der rhythmischen Reihung, der Mischung aus unbekannten und bekannten Formen und Elementen verstärkt sich die distanzierte Mystik ihrer Ausstrahlung. Jedes Einzelstück entspricht in der schlanken, aufgerichteten Form dem Streben nach Höherem, die Blickrichtung von unten nach oben symbolisiert Himmel, Höhe, Luft, Stärke und Kraft.
Raumbilder‘ nennt Andrea Freiberg diese Werke, die immer wieder anders zusammengestellt und präsentiert werden. So ergeben sich immer neue Ansichten der Räume, die sie bevölkern. Eine Schar von Objekten, die je nach Anordnung und Ort neue Perspektiven eröffnen, auch durch ihre zurückgenommene und würdige Erscheinung.
Raumbilder‘ nennt interessanterweise auch der Kurator Eckhard Siepmann von ihm gestaltete Museumsräume zur Präsentation von Objekten: Es sind Raumgefüge auf der Basis Objekt-bezogener Assoziationsfelder, Montagen und Verfremdungen.“ Dieser Satz trifft auch auf die Vitrinen-Installation Andrea Freibergs zu.

Die Technik der Decoupage, der Aufwertung von Gegenständen durch das Bekleben mit Bildern, wurde hier angewandt, um die entstandene Distanz durch die aufstrebende, erhabenen Formen aufzuheben. Schnell wird uns der Gegenstand durch die Konzentration auf die Bilder wieder vertraut. Nähe entsteht durch Bekanntes, Distanz durch Unbekanntes. Dies führt Andrea Freiberg hier in humorvoller wie ästhetischer Umnutzung banaler Dinge und Bilder vor.
Lassen sie also das Gesamtbild wie die einzelnen Objekte des Vitrinenzaubers‘ auf sich wirken. Ich schliesse mit den Worten einer fiktive Besucherin der Weltausstellung 1851, die ihre Eindrücke mit den Worten zusammenfasste: Voller Staunen gehe ich von Glas zu Glas, entzückt betracht' ich sie. Neue Wunder wachsen vor meiner Nase in diesem sublimen Museum!“ (William Thakarey)

Kirsten Schwarz, Kunsthistorikerin im Museum für Gegenwartskunst Siegen

Mit freundlicher und tatkräftiger Unterstützung von RADEMACHER Gerüstbau GmbH.



non-native, 3. September und 1. Oktober 2017

Foto: Luz Dary Kuhne














Andrea Freiberg & Kai Gieseler


1. Kunstexpedition auf dem Areal der Trupbacher Heide

am 3. September 2017 um 14 Uhr auf dem Areal Trupbacher Heide

Treffpunkt um 14 Uhr auf dem Parkplatz Birlenbacher Höhe an der Trupbacher Straße

2. non-native II: Displacement

am 1. Oktober 2017 um 14 Uhr in der Gartenhütte Birlenbacher Höhe an der Trupbacher Straße

Infos über A. Freiberg: 0176-24260968 & K. Gieseler: 0175-3798586
KunstSommer 2017: http://www.kunstvereinsiegen.de/category/programm/kunstsommer/

Ausgangspunkt der gemeinsamen künstlerischen Intervention ist das Hochplateau der Trupbacher Heide, das sich zwischen unseren Wohnorten befindet. Dieses Gebiet am Rande von Freudenberg und Siegen, umfasst etwa 300 ha Wald- und Wiesenflächen, deren besondere Landschaftsmodulierung durch die langjährige militärische Nutzung der belgischen Streitkräfte sowie der Bundeswehr entstanden ist. Das Naturschutzgebiet liegt in der Obhut der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (kurz: NRW-Stiftung) und wird als Naherholungsgebiet genutzt.
Der Titel non-native greift, weitläufig wie das Gelände selbst, Aspekte der Heimat, der Erinnerung, der Nähe, der Entfernung, der Wiederholung, der Gemeinsamkeiten sowie deren immanente Verneinung und Verweigerung auf. In einer ersten künstlerischen Exkursion liegt der Fokus auf der vorgefundenen Topografie mit eindrücklichen, vielschichtigen und sich wiederholenden Raumwirkungen. 

Die Ausstellung „non-native II“ in Folge der ersten künstlerischen Exkursion im Bereich Trupbacher Heide und ihrer Grenzen ist auf ihren Kontext zwischen Fiktion und Realität, Improvisation und Zufall fokussiert. Die entstandenen künstlerischen Ergebnisse aus den Spuren zweier Wege werden im Innen- und Außenbereich der Gartenhütte auf der Birlenbacher Höhe in Form von fotografischen Bildern, Video und Performance der Öffentlichkeit vorgestellt. 

Karte Trupbacher Heide - © Autor: Natalia Jaworski

















Foto: Kai Petra Gieseler