„TERRA NOVA der Sonne entgegen“ Schöppingen am 29.9.2013

Fotos: Sabine Sitte, Andrea Freiberg












(…) Feldforschung im wahrsten Sinne des Wortes. Wie eine Archäologin förderte Andrea Freiberg zunächst die historischen Fakten und Spuren zutage,  die dann sichtbar gemacht wurden. An Archäologie erinnert hier zum Beispiel die Arbeit mit Fundstücken, die sortiert oder neu arrangiert eine andere Qualität und Bedeutung erlangen.  Auch die Fotobücher mit ihren transparenten Aussparungen ergeben immer wieder neue Schichten, die teilweise an archäologisch-wissenschaftliche Arbeit erinnern, teilweise aber auch rein imaginär anmuten.  
(…) Auf das Aufspüren von Fundstücken und Relikten folgt das Aufspüren von Möglichkeiten. Wichtig hierfür ist der genaue Blick, eine unvoreingenommene Wahrnehmung der vorgefundenen Situation, aber auch eine spielerische Herangehensweise, das Erproben verschiedender Varianten. Hierbei macht die Künstlerin uns alle zu Komplizen. Wenn wir mit weißen Schutzanzügen gekleidet durch den Ort auf das Gelände spazieren, gleichen wir einer Forschergruppe auf riskanter Mission. Könnte das Gelände, das wir erforschen, kontaminiert sein? Das wäre wohl tatsächlich im Bereich des Möglichen. Könnte es sich um eine Dünenlandschaft handeln, hinter der sich plötzlich das Meer auftut? Könnte es die Erde eines anderen Planeten sein, oder (…)

Wie auch immer wir uns die Neue Erde vorstellen, es gibt auf jeden Fall eine soziale Dimension, die wir nur im Miteinander entwickeln können.Wie Andrea Freiberg wohl auch im Titelihrer Arbeit ironisch-augenzwinkernd andeutet: Die tatsächliche Situation ist alles andere als ideal, aber es bleibt uns die Kraft der Vorstellung und des undogmatischen Ausprobierens. Perfektionismus wäre hier fehl am Platz. Nicht das fertige Kunstwerk ist das Ziel, sondern der Prozess des gemeinsamen Handelns.

Frau Dr. Sigrun Brunsiek (aus der Einführungsrede)

„W Quartirje“ 2013

Andrea Freiberg "Fensterbild" Ziegelsteine, Mörtel















































Mirjam Elburn hat Künstlerkollegen/-kolleginnen eingeladen, in dem von ihr gemieteten Haus vom Keller bis zum Dachgeschoss, in leer stehenden Räumen und Privatgemächern Kunst zu machen und auszustellen.

Die KünstlerInnen nisten sich ein, beziehen für einen temporären Zeitraum die Räumlichkeiten, besetzen Ecken und Nischen und werden zum Teil dort einziehen und sich für drei Wochen dort wie zu hause fühlen. Künstler auf Spurensuche nach Heimischem, Vertrautem, nach Erinnerungen und intimen Momenten.

Henrik Elburn (SB), Mirjam Elburn (SI), Andrea Freiberg (SI), Susanne Kocks (SB), Silke Krah (SI), Eugenie Mittelmann (SI) und Matthias Reith (SI)
Gäste: Ulrike Paul und Holger Trepke.

Editionen-Mappe 50er Auflage „W Quartirje

„rzeźnia“ 2012

rzeźnia“ Fotobuch, 77 Fotocollagen (10x15 cm) laminiert, DIN A5 ELBA RADO Ordner






































Die fotografischen Aufnahmen für „rzeźnia“ sind während meines Studienaufenthaltes in der polnischen Ostseestadt Gdańsk 2004 entstanden.

Die Bilder dokumentieren den Überrest der Architektur eines abgebrannten Fleischereibetriebes. Sie bezeugen einerseits die Spuren des Verfalls eines Industriegebäudes aus dem 19. Jahrhundert und andererseits werden die beginnenden Prozesse der Umwertung und Vereinnahmung durch Mensch und Natur sichtbar.

Durch die Zerschneidung der zweidimensionalen Fotografien und die Schichtung in die dritte Dimension entsteht eine neue Choreografie des Raumes, ein Remix zwischen Wahrheit und Fiktion. Welche Handlungsoptionen bieten diese, ihrer Funktion enthobenen Räumlichkeiten an oder verweigern sich ihrer?

„POOL-POSITION“ 2013


„in flagranti: work in process“ in der ehemaligen Sauna im Hallenbad Löhrtor, Siegen


in flagranti

(…) Andrea Freiberg entwirft für uns ein Bild, besser: Bilder für fast höhlenartige, kleinteilige, manchmal auch zerrissene Räume und eine begrenzte Weite. Räume, Höhlen und Weite sind bevölkert von Dingen, die wir kennen und doch nicht kennen. Es sind Dinge, die von ihren Besitzern nicht mehr gebraucht werden, die aber einst eine Funktion hatten, die am Alltag beteiligt waren, die als schön oder sinnvoll empfunden wurden. Es sind praktische und dekorative Dinge, wie Lampen, Teller oder Schüsseln, wie Rohre oder Glühbirnen; Vasen, Aschenbecher, Wasserpfeifen ... Andrea Freiberg verbindet sie zu neuen Plastiken, in denen immer mehrere Gegenstände zu einem meist irgendwie anthropo- oder zoomorphen Wesen zusammengefügt werden. Verworfenem wird so ein neuer Kontext zugewiesen und eine neue Funktion, die in der Auseinandersetzung mit den anderen Figuren entsteht, und mit dem Raum, den sie bespielen. (…)
 
Andrea Freiberg präsentiert uns ein „Labor gesellschaftlicher Wirklichkeiten“, spielt mit unseren Erwartungen und Erinnerungen. Sie hebt ab, in alter aufklärerischer Tradition, auf die Diskrepanz zwischen Schein und Sein, wenn sie uns goldglänzenden Tand zeigt, der eben kein Gold ist, sondern nur mit dem Goldlook lockt. Den Menschen in Platons Höhlengleichnis gleich, zeigt sie uns mit den umfunktionierten Gegenständen den Schatten unserer Welt. Ihre Eindeutigkeit: ein Sieb ist ein Sieb ist ein Sieb, hebt sie auf, indem sie den funktionalen Charakter der Gegenstände aufbricht und neuer Interpretation zuführt.
 
(…) Durch das Bekleben mit aus Zeitungen ausgerissenen Fotos erhalten die Müll-Figuren ein einheitliches Erscheinungsbild: Andrea Freiberg sortiert die Bilder nach farblichen, manchmal auch zusätzlich nach thematischen Aspekten und bringt sie in einer Art indirekter Malerei auf die Figuren auf. Es ist erstaunlich, wie sehr sich Zeitungsfotos in ihrem farblichen Duktus und in der Aufmachung gleichen. Da sind die grünlichen Bilder, die satten Rottöne, die Verhaltenen oder edlen Schwarz-weißen, die kühlen Blauen, da sind die Bilder von Massen, egal ob von Demos, von Massenläufen oder von Zuschauern. Da sind die Fotos, die eine Stargeste zeigen, eine Sprechgeste, eine Geste der Entschlossenheit, der Empörung,….
 
(…) Die Bilder, seit dem Aufkommen der Fotografie scheinbar Garanten unverfälschten Aussagen, eindeutiger Authentizität und direkter Stimmung, sprechen in Andrea Freibergs Verwendung eine andere Sprache. Sie werden, wie auch die Texte, verwechsel- und austauschbar. Von der Neuigkeit bleibt nichts mehr, wenn alle Sieger sportlicher Ereignisse gleich aussehen, wenn existentielle Botschaften wie „Nach der Kündigung Hartz IV“ oder „Das jüngste Opfer war erst 15“ oder „Neue Schulden“ durch die Mosaik- oder Puzzletechnik ihre Kraft verlieren. Sie sind ein Teil eines Nachrichtenhaufens, geraten in den Sog der anderen Neuigkeiten, verlieren sich im Irgendwo.
 
Der Inhalt ist reduziert auf seine ästhetische Aufmachung, wie bei überdesignten Dingen oder auch Botschaften, bei der die Aufmachung vom problematischen Inhalt ablenken will. Der Inhalt wird dadurch austauschbar, verliert an Wirkung. Die Fülle an Infos erschlägt uns, so, wie uns auch die Fülle an Gegenständen des Alltags erschlagen kann. Dagegen treten Andrea Freibergs Figuren an, kommen aus ihren Höhlen, anders als bei Platon, und ordnen diese überwältigende Multitude an dinglicher und medialer Welt für uns. Sie sind neu sortiert, neu geordnet, in einen anderen Kontext gestellt, der vielleicht auch nur rein ästhetisch ist. Gerade deshalb sind wir aufgefordert, dieses Neue auf seine Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Sozusagen „in flagranti“ (…) solange Texte, Bilder und Gegenstände „noch brennen“.
 
Frau Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (aus der Einführungsrede am 31. August 2013)


Video "POOL-POSITION" http://www.youtube.com/watch?v=La0AdwsiVNU&feature=youtu.be

Zeichnungen von unterwegs, 2011-12


3 Zeichnungen: „autonomia“ 2012, „Alpen“ 2011, „nach Messina“ 2012, jeweils 70 x 50 cm, Faserstift auf Papier







































Zeichnen ist mir ein Anlass um wahrzunehmen, ohne auf ein bestimmtes Ergebnis fixiert zu sein, ohne zu wissen was kommt oder was bleibt …
 
Die großformatigen Zeichnungen auf Papier sind unterwegs während einer Autofahrt nach Sizilien oder im Skilift in Südtirol entstanden. Fragmente von Personen, Landschaften und Architekturen verschmelzen in Linien, denen die Zeitraffung von Raum und die Flüchtigkeit der Blicke noch innewohnen.

In der Bewegung verwischen visuelle Eindrücke, bleiben selektiert haften und erfinden sich neu. Die wechselseitigen Einflüsse zwischen bewegt werden und bewegt sein untersuche ich unmittelbar im nachzeichnen meiner Seherlebnisse. Es bleiben Nachspuren.

„hirngestürmt“ Siegen-Herford, 2012

Bananenessaktion kür die Kunst in Siegen - Installation in der Schaufenstergalerie Kiosk24 in Herford
460 getrocknete Bananenschalen, Dachlatten, Draht

Der über Eck verglaste Raum der Schaufenstergalerie erschien mir wie ein aufgeschlagenes Schreibheft und ich erinnerte mich an die poetische Wirkung von getrockneten Bananenschalen.

Während des Trocknungsprozesses verlieren die Schalen der Bananen ihre appetitliche gelbe Farbe und schrumpfen zu skurrilen, filigranen Formen zusammen. Weder identifizierbar, noch leserlich interpetiert die alte krakelige Handschrift des 5 zeiligen Texbildes einen Auszug der Pariser Tagebuchaufzeichnungen von Rainer Maria Rilke.


In der Fremde verändert sich die eigene Identität, so dass selbst Gedanken und Worte ihren Adressaten verlieren können.

„fremdgesteuert“ Bielefeld, 2012

Installation in der akw Treppenhausgalerie, Bielefeld
19 Fotoobjekte "cirle" a. 36 x 9 cm, jeweils 9 Einzelfotos (s/w PE Papier) und Büroklammern, Angelruten



















































Im Lichtbild kehrt die gen Himmel gerichtete Baumkrone zur Wurzel zurück.
Da stark belaubte Bäume unter sich einen Schatten werfen, wurde beim steil nach oben in die Krone gerichteten Fotografieren mit Blitzlicht ein Teil des Baumstammes überbelichtet.
Die fotografischen Bildobjekte werden jeweils aus 9 Einzelbildern zusammengefügt.
Traumhaft schwebend im Raum sind die archetypischen Mandalas dennoch als real existierende Erscheinung erlebbar.

„Viele Grüße von Balkonien“ Siegen, 2011

Temporäre Installation am Haus, Mai bis Juni 2011
Wachsendes Wiesenrelief "Flower Power" 4 m Ø
Sitzplastik "Grassofa" 7 m² Rollrasen
Bild "Viele Grüße von Balkonien" 200 x 140 cm, Acryl auf Leinwand
           

Über die Unvollkommenheit

Die Fassade bedurfte nicht viel Farbe. Zuerst waren die grünen Streifen da. Sie markieren die Struktur und rhythmisieren das Übereinander der fünf Stockwerke. Über die Jahre hinweg ist die Farbe verblasst, aber immer noch hoffnungsvoll grün. Der Putz ist nicht mehr ganz sicher, doch die Wände stehen. Von der Fassade hebt sich das quer gestreifte Rechteck der Balkonbrüstungen plastisch ab… gerahmt, wie ein Bild.

Als ich das Haus malte, fing es mit mir zu reden an… in dahin geworfenen flüchtigen Sätzen und Wortfetzen. Es erzählte ganze Lebensgeschichten. Manche Bewohner bleiben nur kurz und andere wohnen schon 40 Jahre hier. Einige Fenster bleiben dunkel.

Die Schatten gehen in die Tiefe und in wenigen Fenstern spiegelt sich der Himmel blau.

Es macht dem Haus nichts aus, wenn an der abgewetzten Fassade die Farbe etwas herunter läuft. Die Fenster sollten geputzt werden. In den 70er Jahren galt das Haus mal als eine gute Adresse.

Balkonien ist das Land vor den privaten vier Wänden und hinter dem öffentlichen Straßenkonzert.

Ich habe Blumen an das Haus gemalt – horizontal über die Nachbarschaften hinweg. Blumen sind zärtlich. Sie leben mit der Unvollkommenheit und geben dem Haus ein Gesicht. Das „Grassofa“ lädt ein, das Innere nach außen zu kehren. Auf dem Wiesenrelief darf gepflanzt werden.

Zufällig konnte ich von meinem Balkon aus beobachten, wie ein Mädchen auf der Wiesenblume im Kreis tanzte. Bis zum Schwindeligwerden hat sie die runde Blume zum Leben erweckt.

„HOLLYWOOD die Stadt ist eine Bühne“ Monte Schlacko in Siegen-Geisweid am 24.8.2010

Schriftzug: 25,00 x 2,85 m, 9 Buchstaben jeweils 2,30 (W 2,80) x 3,85 m, Tetrapackkarton, 400 Stahlnägel
















































Gefördert von den Deutschen Edelstahlwerken GmbH. Herzlichen Dank an Karl Haase, Frank Blecher, Xenia Frisan, Wolfgang Hausmann, Stephan Schopp, dem Marienheim, den Geisweider Bäckereien und der Metzgerei Hermes für ihre Unterstützung.


Temporäre Intervention im öffentlichen Raum

„Das Auffallendste an Denkmälern ist nämlich, dass man sie nicht bemerkt“ schreibt Robert Musil bezogen auf die Denkmalkunst seiner Zeit in der 30er Jahren des 20. Jhd. und er meint damit, dass alles Beständige zur Gewohnheit wird und sich der Wahrnehmung entzieht. 

Mit einem Traum von HOLLYWOOD soll das Industriedenkmal sich redlich machen und die Blicke magisch anziehen.

Fremd wirkt der Mythos von Stars und glitzernden Traumwelten an dem 373,8 m hohen Schlackeberg der ehemaligen Bremer Hütte. Aus den Schmelzrückständen des Hochofens wuchs seit 1888 im Zeitraum von 42 Jahren der kegelförmige „Monte Schlacko“ heran - eine künstliche, industriell geschaffene Erhebung innerhalb der naturgegebenen bergigen Stadtlandschaft. In Folge eines Quotentauschs mussten die Hochöfen 1930 geschlossen werden und 600 Stahlwerker verloren plötzlich ihre Arbeit. 1978 wurden große Anstrengungen unternommen, die kahle Halde mit 3000 Akazien zu bewalden. Das Wachstum der Bäume verkümmerte.

Im Dialog mit dem Berg verwandelte sich die bekannte neunteilige Buchstabenfolge HOLLYWOOD (übersetzt Stechpalmenwald) in DHOLLYWOO. Es schien so, als wäre der Schriftzug um den Kegel herum gefahren und das Ende könnte den Anfang berühren. Die Umordnung der Buchstaben irritierte die Blicke und Erwartungen der Öffentlichkeit

Öffentliche Dokumentation und Beteiligung im Internet: http://www.23hq.com/photogroup/monteschlacko/

„Neuland“ Menden-Hagen-Siegen-Iserlohn, 2008

Innerhalb von „Seh-Container 2008“ gemeinsam mit Silke Krah
Wachsrelief: 745 x 255 x 5 cm, 900 l Parafin und Kerzenwachs, Spuren der Besucher































... " Wachs schaffte im Innenraum des Containers eine ganz besondere Atmosphäre. Die Besucher konnten in die Oberfläche des Reliefs zeichnen, ritzen, schnitzen oder sie mit Körperwärme formen. „Neuland“ schaffte so bildhafte Kommunikationsformen, wie sie an Baumrinden, Parkbänken, Schultischen oder Toilettenwänden zu finden sind – flüchtig, aber auch dauerhaft. Im verfestigten Zustand wurde das plastische Material zum Bildträger einer interaktiven Landschaft aus individuellen Handlungsspuren. Im Dialog zwischen Material, Werkzeug, Gestik und Identität nahm jeder Teilnehmer Kontakt zu den anderen auf.


Die Geschichte von „Neuland“ entstand authentisch und zeitgleich mit denen, die es betraten.“...

Jutta Rudewig, Menden

„polnisches Mädchen“ 1-12, 2006

„polnisches Mädchen“ 1-12, 2006, 12 Bilder: jeweils 60 x 80 cm, Graphit, Ölfarbe, Acryl auf Leinwand
































Das Motiv des Mädchens, mit geballter Faust im Engelskostüm inmitten einer bewegten Hochzeitsgesellschaft, vor der Marienkirche in Gdańsk 2004, beschäftigte mich ein Jahr lang malerisch. Zwischen die narrative Dynamik mischt sich die Performance der Farben in die räumlichen Verhältnisse.

Innerhalb der Serie fügen sich Puzzleteile möglicher Deutungen zu einem rhythmischen Gesamtbild einer ambivalenten Stimmung. Zwischen dem ersten und dem zwölften Bild vollzieht sich eine Zoombewegung. Auf dem letzten Bild tritt das Mädchen aus der Szene heraus, ohne diese wirklich zu verlassen.

„how ever” ehemalige Walzengießerei ROLAND Siegen, 2007

Seccomalerei: 230 x 220 cm und 500 x 220 cm, Spachtelmasse, Farbpigmente

















































Im Dialog mit der Geschichte und der Psychologie des Ortes des ehemaligen Produktionsbetriebes  ist mein Atelier in der Walzengießerei ROLAND künstlerischer Arbeitsraum und Inspirationsquelle zugleich. Aller Zeiten Spuren bilden im Flurbereich zwischen Fabrikhalle und Meisterbüro die Vorzeichnung des zweiteiligen Wandbildes „how ever“. Zeitzeugen physischer Eingriffe, wie Russablagerungen, Kratzer und Löcher sind Überreste der körperlichen und mechanischen Dynamik der Arbeitsprozesse in der Vergangenheit. Die über viele Jahre eingeprägten Arbeitsspuren der zufälligen Texturen in den verputzten Wänden standen als motivische Vorzeichen für den malerischen Prozess.
Unmittelbar in die vorgefundenen Verletzungen des Wandputzes habe ich die eingefärbte plastische Spachtelmasse eingearbeitet. Zeichenartige Wesen, Phantasieformen und Negativformen der ehemaligen Wandtafeln wurden sichtbar. Die horizontale Dreiteilung ergibt sich aus den Höhenunterschieden, der verdichteten Gebrauchsspuren. Im unteren Bildraum befinden sich Formen, die an Lebewesen erinnern. Rechteckige Flächen schaffen einen abstrakten Bildbestand im mittleren Bereich und im oberen Drittel schweben wolkenartige Gebilde und Geister. Motivisch inhaltlich und formal bildimmanent treten Wolkenformen, Figuren und Landschaftsgebilde im Dialog mit der Fläche und der Farbe assoziativ in Beziehung zueinander. Im Verharren des gegenwärtigen Schwebezustandes  erzeugt die Mnemonik der Spuren keinesfalls ein zukunftsträchtiges Modell des Ortes. Im Kontext des höhlenartigen Fabrikraumes führt „how ever“ an den Ursprung zurück.