hirngestürmt, 2012

Bananenessaktion kür die Kunst in Siegen - Installation in der Schaufenstergalerie Kiosk24 in Herford
460 getrocknete Bananenschalen, Dachlatten, Draht

Aus rund 460 getrockneten Bananenschalen entsteht in zwei öffentlich sichtbaren Fensterscheiben der Schaufenstergalerie Kiosk24 ein Textbild. Dadurch erscheint der Raum wie ein aufgeschlagenes Schreibheft. 

Die Schalen der Bananen verlieren während des Trocknungsprozesses ihre appetitliche gelbe Farbe und schrumpfen zu skurrilen, filigranen Formen zusammen. Das in Zeilen übereinander formatierte Textbild, erinnert eher an eine alte unleserliche, krakelige Handschrift, als an ein modernes computergeschriebenes Schriftbild.

Aus den Pariser Tagebuchaufzeichnungen von Rainer Maria Rilke wurde ein Textausschnitt ästhetisch interpretiert, der weder identifizierbar, noch leserlich ist.
Damit  greife ich eine persönliche Entfremdungserfahrung während eines Studienaufenthaltes in der polnischen Ostseestadt Gdańsk auf. 

In der Fremde verändert sich die eigene Identität, so dass selbst Gedanken und Worte ihrer eigentlichen Bedeutung entrinnen und den Adressaten aus dem Auge verlieren können.

Durch die Beteiligung der Siegener Bürgerinnen und Bürger an einer gemeinsamen Bananenessaktion auf dem Marktplatz in Siegen konnte die Schalensammlung erweitert werden.

„Ich lerne sehen. Ich weiß nicht, woran es liegt, es geht alles tiefer in mich ein und bleibt nicht an der Stelle stehen, wo es sonst immer zu Ende war. Ich habe ein Inneres, von dem ich nicht wußte. Alles geht jetzt dorthin. Ich weiß nicht, was dort geschieht.
Ich habe heute einen Brief geschrieben, dabei ist es mir aufgefallen, daß ich erst drei Wochen hier bin. Drei Wochen anderswo, auf dem Lande zum Beispiel, das konnte sein wie ein Tag, hier sind es Jahre. Ich will auch keinen Brief mehr schreiben. Wozu soll ich jemandem sagen, daß ich mich verändere? Wenn ich mich verändere, bleibe ich ja doch nicht der, der ich war, und bin ich etwas anderes als bisher, so ist klar, daß ich keine Bekannten habe. Und an fremde Leute, an Leute, die mich nicht kennen, kann ich unmöglich schreiben.“  Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge