"Viele Grüße von Balkonien“ Siegen, 2011

Temporäre Installation am Haus, Mai bis Juni 2011
Wachsendes Wiesenrelief "Flower Power" 4 m Ø
Sitzplastik "Grassofa" 7 m² Rollrasen
Bild "Viele Grüße von Balkonien" 200 x 140 cm, Acryl auf Leinwand
           

Über die Unvollkommenheit

Die Fassade bedurfte nicht viel Farbe. Zuerst waren die grünen Streifen da. Sie markieren die Struktur und rhythmisieren das Übereinander der fünf Stockwerke. Über die Jahre hinweg ist die Farbe verblasst, aber immer noch hoffnungsvoll grün. Der Putz ist nicht mehr ganz sicher, doch die Wände stehen. Von der Fassade hebt sich das quer gestreifte Rechteck der Balkonbrüstungen plastisch ab… gerahmt, wie ein Bild.

Als ich das Haus malte, fing es mit mir zu reden an… in dahin geworfenen flüchtigen Sätzen und Wortfetzen. Es erzählte ganze Lebensgeschichten. Manche Bewohner bleiben nur kurz und andere wohnen schon 40 Jahre hier. Einige Fenster bleiben dunkel.

Die Schatten gehen in die Tiefe und in wenigen Fenstern spiegelt sich der Himmel blau.

Es macht dem Haus nichts aus, wenn an der abgewetzten Fassade die Farbe etwas herunter läuft. Die Fenster sollten geputzt werden. In den 70er Jahren galt das Haus mal als eine gute Adresse.

Balkonien ist das Land vor den privaten vier Wänden und hinter dem öffentlichen Straßenkonzert.

Ich habe Blumen an das Haus gemalt – horizontal über die Nachbarschaften hinweg. Blumen sind zärtlich. Sie leben mit der Unvollkommenheit und geben dem Haus ein Gesicht. Das „Grassofa“ lädt ein, das Innere nach außen zu kehren. Auf dem Wiesenrelief darf gepflanzt werden.

Zufällig konnte ich von meinem Balkon aus beobachten, wie ein Mädchen auf der Wiesenblume im Kreis tanzte. Bis zum Schwindeligwerden hat sie die runde Blume zum Leben erweckt.