"Ich gehe in meinen Garten.“ 2014

Wegeskizze „Ich gehe in meinen Garten.“ Installation, Städtische Galerie Haus Seel, Siegen 2010

Weg „wir haben Westen“ 600 cm, PE Klebeband, „Stationen“ Google Earth Fotos, Glasschalen, 21 cm
Reisekoffer mit Erinnerungsstücken, Klavierhocker und Skizzenbuch, Herbarium mit Pflanzenteilen (getrocknet und archiviert), 
Landkartencollage und Zeichnungen, Objekt „Kopfsteinpflasterroller“ (Fundstück), Objekt „Lichthaus“

30 Tage lang zu Fuß unterwegs auf der Suche nach Spuren von alten und neuen Heimaten, Brüchen und Nahtstellen im Austausch mit anderen Menschen und Orten.


Heimat ohne Land und Wurzel?


Vor wechselnden Hintergründen verwandelte sich meine physische Bewegung im Raum in einen stetig wachsenden Bildentstehungsprozess.




Gronau – Heek – Schöppingen – Horstmar – Altenberge – Münster – Telgte – Warendorf - Herzebrock Clarholz – Gütersloh – Rietber – Delbrück – Paderborn – Dalheim – Warburg – Zierenberg – Kassel – Hessisch Lichtenau – Waldkappel – Eschwege – Wanfried – Creuzburg – Eisenach – Mechterstädt – Gotha – Wandersleben – Erfurt – Weimar – Niederroßla - Jena 




„12. Frage: Wie viel Heimat brauchen Sie?“
(Max Frisch, „Heimat-Fragebogen“ aus Tagebücher 1966–71, Frankfurt a.M.)


Dokumentation:  ich-gehe-in-meinen-garten.blogspot.de



Wanderausstellung face to face in Schöppingen und Jena vom 11.9.-11.10.2014:

"Testlauf"– Der Künstler als moderner Nomade und Forscher
F6 Galerie, Feuerstiege 6, Künstlerdorf Schöppingen 
"Einkehr" open space und Finissage
Glashaus im Paradies, Vor dem Neutor 6, Volkspark Paradies, Jena
Kunsthandlung Huber&Treff






















"trial and error“ 2014, RWE Foyer, Siegen

"EC234FA" 70 x 50 cm, Faserstift auf Papier



























trial and error
Wir sehen übers Papier wandernde Linien, schwarz oder bunt, deutlich gezogen oder bereits verwaschen. Oben, unten, links oder rechts, sogar vorne oder hinten verlieren in diesen Zeichnungen ihre Bedeutung.

Andrea Freiberg hat während verschiedener Autoreisen ihre Eindrücke zeichnerisch festgehalten. Sie hat dabei auf gefalteten Papierbögen gezeichnet, und so nach und nach jede Seite und jeden Quadranten bearbeiten. Aufgefaltet erblühen die Papiere zu fantastischen Landschaften. Die Künstlerin erlaubt uns mit ihren „Zeichnungen von unterwegs“ einen Einblick in ihre Erlebnisse während der Autofahrt und somit auch Einblicke in ihre Seherfahrungen während der Bewegung.

Wie Momentaufnahmen blitzen einzelne Landschaftsaufnahmen aus dem Dschungel der Linien auf, wie z.B. Bergketten, Tunnelröhren, Brücken oder Autokolonnen. Sie teilen sich das Papier mit „Nahaufnahmen“ von Vögeln, Schildern, Flaggen, Blüten, Autokennzeichen und mehr. Das Durcheinander von oben, unten, rechts und links spiegelt unser eigenes Erinnerungsvermögen wieder. Wir vermischen Dinge in unserer Erinnerung und können oft nicht mehr genau zuordnen, was wann wo stattgefunden hat. Einiges scheint nur noch latent „gespeichert“ zu sein – so wie auch bei diesen Zeichnungen die andere Seite durchscheint und nur noch zu erahnen ist.

In unserer Erinnerung wird ein Urlaub oder eine Reise zu einer ebensolchen Collage von Eindrücken; einer Karte in unserem Kopf, oft ungenau und verworren, dafür angefüllt mit persönlichen Bezügen und Gefühlen. In den Zeichnungen von Andrea findet das Sammelsurium an Eindrücken und Erinnerungen durch den spontanen Entstehungsprozess auf dem Papier eine wunderbare ästhetische Präsenz. Fotografien hätten die Reiseeindrücke vielleicht ebenso detailliert, vielleicht sogar genauer festgehalten. Dann aber würden uns nur die Motive präsentiert. Die Lust am „Nachreisen“ mit dem Auge auf dem Papier wäre verloren. Und auch das Festhalten anderer Spuren wäre nicht möglich. Erzählen uns doch Rotweinflecke oder Wasserspuren aus dem Gardasee ganz eigene Geschichten.

Andrea Freiberg ist viel unterwegs. Neben den Reisezeichnungen gibt es noch andere Hinweise in dieser Ausstellung, oder genauer gesagt: Beweise. Für die zweite Serie, die Sie hier sehen, hat die Künstlerin Fotos von Bußgeldverfahren aus den Jahren von 2003 bis 2014 verwendet, die sie wegen Geschwindigkeitsübertretungen erhalten hat.

Indem sie die Fotos vergrößert und verfremdet werden sie als Beweismittel nutzlos.

Ein Foto, vor allem mit Datums- und Zeitstempel, gilt als oft Beweis, dass eine bestimmte Person  zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort war und bilden so eine ganz bestimmte Realität ab. Auch mit diesem Fakt spielt die Künstlerin:  im Internet gefundene Blogeinträge, Forumsdiskussionen oder Internetartikel mit genau demselben Datums- oder sogar Zeitstempel heben diesen Absolutismus auf und machen uns bewusst, dass es neben dem eigenen Hier und Jetzt noch unzählige andere gibt.
Die Unterschiedlichkeit der Texte unterstreicht das zusätzlich: Fragen zu Fruchtbarkeitshormonen, eine Geburtsanzeige, Urlaubseindrücke, ein Eintrag zum Lahmlegen von Facebook.....
Die verschiedenen Realitäten, die das Internet eröffnet, sind unendlich und stehen im Gegensatz zu dem statischen Beweisfoto, das nur eine Wirklichkeit kennt.
Unterwegssein, Erinnerungen sammeln, Spuren hinterlassen; dies sind sehr persönliche Prozesse, die zunächst immateriell sind. Andrea Freiberg transformiert diese Vorgänge durch verschiedene Bildentstehungsprozesse, von denen wir zwei hier sehen. So nimmt sie uns mit auf ihre Reisen, und lässt uns an ihren Spuren und ihren Seherfahrungen teilhaben.

Ines Rüttinger, Kunsthistorikerin




11.10.2010 um 14:15 Uhr, Siegen, Kirchweg Parkplatz I“ 2014 
"23.08.2003 um 13:56 Uhr, Engelskirchen-Hardt“ 2014 
„15.06.2014 um 12:05 Uhr, Paderborn“ 2014
„05.11.2011 um 23:09 Uhr, Horn-Bad Meinberg“ 2014

"Display“ Temporäre Installation im 3.Dorndorfer Kunstgarten 2014


99 Glasscheiben a. 33,0 x 27,0 x 0,5 cm, Gesamtfläche ca. 340,0 x 370,0 cm





































Es war ein verlorener Ort irgendwo in der Welt. An der Schwelle unseres eigenen Raumes, vor der Ära unserer eigenen Zeit, herrscht also eine Schwingung von Seinsgewinn und Seinsverlust. Und die ganze Realität der Erinnerung wird spukhaft. (…)

Das Bild entsteht in einer Zusammenarbeit des Wirklichen und des Unwirklichen, im Wetteifer der Funktionen des Wirklichen und des Unwirklichen. Nicht die Alternative der Gegensätze, sondern die Vereinigung der Gegensätze gilt es zu verstehen …“

aus Gaston Bachelard, Poetik des Raumes

Ein überdimensionales Display unter dem Apfelbaum im Garten vermittelt poetisch zwischen Himmel und Erde, Stillstand und Bewegung, Natur und Architektur.

So treibt der Wind treibt sein Spiel mit den Wolken, die in der Glasoberfläche reflektiert werden und beständig über dem Boden dahin gleiten. Gleichzeitig zeigt sich die Zeit und Vergänglichkeit der Natur im Verwelkungsprozess der Pflanzen unter dem Glas, welches die Sonnenenergie bündelt und den Verbrennungsvorgang intensiviert.

Aus den unterschiedlichen Perspektiven stellt sich das veränderliche Landschaftsbild nur unmittelbar im Blickkontakt und Reflektionsprozess der Betrachter immer wieder neu und anders her, lädt sich auf mit Raum, ...Erinnerungen und Assoziationen.

Es bleiben Spuren zurück...