"who is sitting in the glass house?" 30.11.2017 - 09.02.2018




Eröffnung der Ausstellung am 30.11.2017 um 19.00 Uhr

Begrüßung: Holger Glasmachers, Kulturamt Kreuztal
Einführung: Kirsten Schwarz, Kunsthistorikerin

geöffnet: Mo - Fr 7.00 bis 17.00 Uhr und Sa 9.00 - 13.00 Uhr










Mit freundlicher und tatkräftiger Unterstützung von RADEMACHER Gerüstbau GmbH.





Who is sitting in the glass house?

Im Glashaus, in diesem Fall einer Vitrine - dem gläsernen letzten Heim vieler kulturhistorischer Relikte - stehen 59 befremdliche Gegenstände. Gleichartige Objekte, aufgereiht wie im Museum, stoisch und still. Sie bilden eine Ensemble aus kultisch anmutenden Gegenständen. Sie erinnern fern an Pokale, Totempfähle, Reliquiare aber auch an Banales wie Wasserpfeifen und Tischlampen. Rätselhaft, als ob man sie ihrer ursprünglichen Umgebung beraubt hätte, scheinen sie in ihrer formalen Kontinuität auf den Beginn einer Zeremonie zu warten.
Tritt man näher, um ihrem Geheimnis auf die Spur zu kommen, entfaltet sich die glatte Oberfläche zu einem Konglomerat von Abbildungen aller Art. Aus den Fugen geraten Collagen konfrontieren uns mit Altem, Neuem, Weltbewegendem und Vergessenem, kurz mit allem was das Bildmaterial einer Zeitung ausmacht, nämlich Informationen mit Eyecatchern zu versehen. Als Eyecatcher funktionieren die Bilder auch hier. Sie bringen uns der Bedeutung der Gegenstände nicht näher, aber sie drängen die Frage vorerst in den Hintergrund. Fasziniert betrachten wir bekannte und unbekannte Menschen, deren Gesichter zurück schauen. Personen, Gesten, Geschehnisse werden verknüpft und zu neuen Bildern und Geschichten zusammengefügt. Man muss lachen, man erschaudert, ist erstaunt und irritiert.
Treten wir wieder zurück, fällt ein weiterer Aspekt der Ansammlung ins Auge, denn diese sind nur nur formal zusammenhängend, sondern weisen auch farbliche Konvergenzen auf. Die Farbschattierungen eines jeden Gegenstandes unterliegen einer Farbe, es gibt rötliche, bläuliche, grünliche, gelbliche und zum Weiss neigende Färbungen. So wird das kultische, an ferne Hochkulturen erinnernde majestätische und erhabene Gesamtbild der Gegenstande gewahrt, welches nur durch die gelegentlich ins Auge springenden Plastikschläuche und Glühlampen etwas ins Wanken gerät.

Auch in dieser Installation Andrea Freibergs wird eine Vielzahl künstlerischer Techniken und Fragestellungen bearbeitet. Es geht nicht um die Schaffung eines Werkes, eines Bildes oder einer Plastik, immer ist der Raum mit einbezogen, den sie bespielt, immer ist es ein im Prozess entstandener Zusammenschluss transformierter Objekte. Sie fotografiert, malt, zeichnet, collagiert, baut auf, druckt und stellt am Schluss des Prozesses alles in einen neuen Kontext. Nichts bleibt wie es ist im Werk von Andrea Freiberg, alles ist Veränderungen unterworfen, das macht sie sichtbar.
Dabei spielt der Ort immer eine grosse Rolle. Ihre in-situ-Arbeiten, also ortsbezogen und die Umgebung mit einbeziehend, führen zu einer individuellen Auseinandersetzung mit der Umgebung, die durch die Exponate anders wahrgenommen werden. So sind die hier ausgestellten Objekte nach und nach entstanden und wurden erstmals in der Sauna des Löhrtorbades gezeigt, als diese bereits dem Verfall preisgegeben war. Die würdevolle Anmutung stand dort im Gegensatz zu abblätternder Farbe und einem leeren Schwimmbecken.
Hier hingegen, in einer polierten lang gestreckten Glasvitrine, gewichtig in einem nachvollziehbaren Ordnungssystem aufgestellt, wirken sie hoheitsvoll, emporstrebend und originär. Kunst in Vitrinen ist immer wertvoll, Vitrinen bieten Schutz vor Zugriff und Staub. Sie schaffen Distanz zum Besucher, der darin Dinge bestaunt, die meist sehr alt sind und uns ferne und vor allem fremde Zeiten näher bringen sollen. In Vitrinen dieser Art werden meist Entwicklungen gezeigt, ein Abschreiten ist nötig, um, wie in an einem Zeitstrahl, Dinge und Ereignisse in einen Zusammenhang zu bringen. Hier wird uns keine Entwicklung vorgeführt, alle Objekte sind gleichartig, kein Hinweisschild klärt auf über Zeit, Ort, Bedeutung.
Die Vitrine entpuppt sich als ironisches Zitat. Die Dingbedeutsamkeit und Einzigartigkeit der Exponate wird allein durch die Künstlerin bestimmt. Ihr Geheimnis wird gelüftet, wenn man die wenigen nicht beklebten Objekte betrachtet. Es handelt sich um banale, auf einander gestapelte Haushaltsgegenstände, deren ursprüngliche Bedeutung in der Komposition eine Umnutzung erfährt. Die Umnutzung der Alltagsdinge unterläuft die eigentliche Bestimmung der Museumsvitrine, die ja gerade Ausseralltäglicheszeigt.
Die Anordnung erfolgt auf einem Baugerüst, ein Gegenstand des Draussen, nach Innen importiert, um die zu erwartenden fragilen, transparenten Glasplatten zu ersetzen, die ansonsten die Stellflächen der Museumsvitrine bilden. Wieder wird die Museumsvitrine in ihrer feierlichen Erscheinung hinterfragt.

Ein subtiles Spiel mit Erwartungen bietet uns Andrea Freiberg hier. Sie stapelt hoch, im wahrsten Sinne des Wortes. Vasen, Teller, Töpfe und Krüge bekommen eine einheitliche Oberfläche und mutieren zu Schachfiguren, Türmen, Figurinen und Kultgefäßen. Ihre starke Präsenz verdanken sie der Umdeutung, deren Sinn wir zu ergründen suchen. In der rhythmischen Reihung, der Mischung aus unbekannten und bekannten Formen und Elementen verstärkt sich die distanzierte Mystik ihrer Ausstrahlung. Jedes Einzelstück entspricht in der schlanken, aufgerichteten Form dem Streben nach Höherem, die Blickrichtung von unten nach oben symbolisiert Himmel, Höhe, Luft, Stärke und Kraft.
Raumbildernennt Andrea Freiberg diese Werke, die immer wieder anders zusammengestellt und präsentiert werden. So ergeben sich immer neue Ansichten der Räume, die sie bevölkern. Eine Schar von Objekten, die je nach Anordnung und Ort neue Perspektiven eröffnen, auch durch ihre zurückgenommene und würdige Erscheinung.
Raumbildernennt interessanterweise auch der Kurator Eckhard Siepmann von ihm gestaltete Museumsräume zur Präsentation von Objekten: Es sind Raumgefüge auf der Basis Objekt-bezogener Assoziationsfelder, Montagen und Verfremdungen.Dieser Satz trifft auch auf die Vitrinen-Installation Andrea Freibergs zu.

Die Technik der Decoupage, der Aufwertung von Gegenständen durch das Bekleben mit Bildern, wurde hier angewandt, um die entstandene Distanz durch die aufstrebende, erhabenen Formen aufzuheben. Schnell wird uns der Gegenstand durch die Konzentration auf die Bilder wieder vertraut. Nähe entsteht durch Bekanntes, Distanz durch Unbekanntes. Dies führt Andrea Freiberg hier in humorvoller wie ästhetischer Umnutzung banaler Dinge und Bilder vor.
Lassen sie also das Gesamtbild wie die einzelnen Objekte des Vitrinenzaubersauf sich wirken. Ich schliesse mit den Worten einer fiktive Besucherin der Weltausstellung 1851, die ihre Eindrücke mit den Worten zusammenfasste: Voller Staunen gehe ich von Glas zu Glas, entzückt betracht' ich sie. Neue Wunder wachsen vor meiner Nase in diesem sublimen Museum!(William Thakarey)


Kirsten Schwarz, Kunsthistorikerin Museum für Gegenwartskunst Siegen




POOL-POSITION 2012, Hauspool, Leimbachstraße 89, Siegen

"non-native" am 3. September und am 1. Oktober 2017

Foto: Luz Dary Kuhne














Andrea Freiberg & Kai Gieseler


1. Kunstexpedition auf dem Areal der Trupbacher Heide

am 3. September 2017 um 14 Uhr auf dem Areal Trupbacher Heide

Treffpunkt um 14 Uhr auf dem Parkplatz Birlenbacher Höhe an der Trupbacher Straße



2. non-native II: Displacement

am 1. Oktober 2017 um 14 Uhr in der Gartenhütte Birlenbacher Höhe an der Trupbacher Straße

Infos über A. Freiberg: 0176-24260968 & K. Gieseler: 0175-3798586
KunstSommer 2017: http://www.kunstvereinsiegen.de/category/programm/kunstsommer/

Ausgangspunkt der gemeinsamen künstlerischen Intervention ist das Hochplateau der Trupbacher Heide, das sich zwischen unseren Wohnorten befindet. Dieses Gebiet am Rande von Freudenberg und Siegen, umfasst etwa 300 ha Wald- und Wiesenflächen, deren besondere Landschaftsmodulierung durch die langjährige militärische Nutzung der belgischen Streitkräfte sowie der Bundeswehr entstanden ist. Das Naturschutzgebiet liegt in der Obhut der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (kurz: NRW-Stiftung) und wird als Naherholungsgebiet genutzt.
Der Titel non-native greift, weitläufig wie das Gelände selbst, Aspekte der Heimat, der Erinnerung, der Nähe, der Entfernung, der Wiederholung, der Gemeinsamkeiten sowie deren immanente Verneinung und Verweigerung auf. In einer ersten künstlerischen Exkursion liegt der Fokus auf der vorgefundenen Topografie mit eindrücklichen, vielschichtigen und sich wiederholenden Raumwirkungen. 

Die Ausstellung „non-native II“ in Folge der ersten künstlerischen Exkursion im Bereich Trupbacher Heide und ihrer Grenzen ist auf ihren Kontext zwischen Fiktion und Realität, Improvisation und Zufall fokussiert. Die entstandenen künstlerischen Ergebnisse aus den Spuren zweier Wege werden im Innen- und Außenbereich der Gartenhütte auf der Birlenbacher Höhe in Form von fotografischen Bildern, Video und Performance der Öffentlichkeit vorgestellt. 

Karte Trupbacher Heide - © Autor: Natalia Jaworski


















Foto: Kai Petra Gieseler















"aus der Ferne so nah ..." Aug - Sept 2017


Lichtprojektionen und Raumzeichnungen im Gewölbe der Wasserburg Niederroßla, 10. September 2017
















Kunstsymposium "having Heimat" vom 31. Juli bis 5. August 2017 auf der Binderburg in Jena-Burgau
Dr. Michael Willsch: www.binderburg.de


Aus der soziologischen Sicht von Hartmut Rosa ist Heimat eine Fiktion aus der Erinnerung und Sehnsucht nach Spuren und Resonanzerfahrungen aus der Kindheit, welche im Gegensatz zu dem Neuen und Fremden, vertraut und sicher ist. Heimat kann eine gedankliche Projektion sein, beweglich und transformativ, statt einer festen beharrlichen Form. In der Balance zwischen Beständigkeit und Veränderung kann der Mensch sich also einen Weltausschnitt resonant machen, als Antwort seiner selbst.


Heimat kann aus der Ferne sehr nah und in der Nähe so fern empfunden werden. Die Raumzeichnungen in der Höhle nehmen die Nah- und Fernblicke meines Vaters auf, welche ich auf dem HEIMWEG in Niederroßla mit der Aussicht von seinen Bänken zeichnerisch nachempfunden habe. Die projizierten Zeichnungen verbinden sich mit dem Raum und den Texturen auf den Felswänden. 

Heimat beginnt in der Kindheit und wird wieder real im Ankommen, ... dort, wo ich mich einbringen kann und wo ich mich niederlasse, 
um auszuruhen.

Raumzeichnungen und Lichtprojektionen








"heim" Performance, Foto: Michael Willsch

Vernissage, Foto: Thomas Kriska




Katalog: AUS DER FERNE SO NAH, Andrea Freiberg 2017



"auweia zepsuty“ …wenn's brennt am 21. Mai 2017



"Metamorphose" Bleimantel, Kabel, Wachskreide
zum Siegener Kunsttag 2017 "KunstSPIEL" 


auweia zepsuty“ …wenn's brennt
Bildstörungen und (Z)objekte


außer BETRIEB

ZUFALL ist die REGEL
SPIEL bis zur ZERSTÖRUNG  

Atelier Andrea Freiberg
Ehem. Walzengießerei ROLAND
Lohgraben 40 (Eingang), 57074 Siegen

Dokumentation hier: http://wunderkammer-siegen.blogspot.de/