ROLAND - new collection, 25.8.2018


ROLAND - new collection, Raumcollage, Andrea Freiberg 2018
"done twice" Rauminstallation, Cierlitza & Freiberg, Siegen 2018






















































Hintergrund des plastischen Raumbildes „ROLAND - new collection“ bildet das ausgediente Fabrikgelände der ehemaligen Walzengießerei ROLAND innenstadtnah in Siegen. Seit der Schließung des Betriebes 2000 wird das Fabrikgelände mit Werkstätten und Hallen provisorisch zwischengenutzt von kleineren Firmen, KfZ Mechanikern, einer Antik-Werkstatt und meinem Atelier. Der Ort bietet Unterstellmöglichkeiten für Fahrzeuge und Campingwagen. Seit einem Brand vor vier Jahren ist die Infrastruktur in meinem Atelier ohne Wasser, Heizung und Strohm auf ein Minimum reduziert. Noch temporär nutzbar, ist das Fabrikgelände gleichfalls ein Spielort des Verfalls und der Verwilderung. Prozesse der Werterhaltung, Renaturierung und Grenzen des Abseitigen sind Auslöser für die ästhetische Spurensicherung.

Abfall oder Müll geworden sein heißt den zentralen Aktivitäten unserer heutigen Gesellschaft entgegengesetzt sein, der Verwertung, dem Nutzen und Brauchen, Produzieren und Konsumieren. Der Ausschluss aus diesen Aktivitäten heißt, so der Umkehrschluss: Müll oder Abfall sein.“ (Susanne Hauser: Metamorphosen des Abfalls. Konzepte für alte Industrieareale. 2001)

Die Raumcollage setzt sich aus einzelnen vakuumverschweißten Abfällen, Bodenproben und Fundstücken zusammen, welche ich auf dem Betriebsgelände zwischen 2017-18 gesammelt habe. Abgebröckelter Fensterkitt, Gießrückstände, Formsand, Holz und Rinde, Metall, Fensterglas, Wachs, Blei, Beton, Kunststoff, Pflanzen und Erde, Drahtreste, krumme Nägel, Folien, Rücklichter, Pappe, verwittertes Papier, Gegenstände und Artefakte der Autoschlosser. Ich konserviere, kombiniere und archiviere die Fundstücke und Materialien. In dem ich sie zeichne und bezeichne erkunde ich Identität und Herkunft der Dinge, sowie den Umgang mit unseren Ressourcen. 
In der rhythmischen Anordnung zeichenhafter Formen, gegenständlicher Artefakte, Materialproben und Farbspuren wird das Abseitige ästhetisch und poetisch verdichtet. Die Folien dienen als Bildträger und optischer Filter zwischen den Ebenen der Realität und der Bildwirklichkeit. Die Ästhetisierung durch die museale Konservierung und die Aufwertung durch die Präsentationsform auf einer gerasterten Gesamtfläche von 240 x 480 cm vertikal über Eck im Raum, erheben den Abfall vom Boden an die Wand und rücken ihn ins Blickfeld und die Wahrnehmung der Betrachter.

Die Installation „done twice“ entstand gemeinsam mit der Gastkünstlerin Jennifer Cierlitza vor Ort. Zwei digitale Bilder greifen das Motiv einer verhangenen Bühne auf, wobei der fotografische Auslöser zufällig jeweils zu unterschiedlichen Zeiten 2005 und 2017 gedrückt wurde. Die Bühne als Handlungsraum der Zwischennutzer in der Fabrikhalle transferiert zum digitalen Bildraum fotografischer Settings.