SPACE / CUT vom 22.09. bis 20.10.2018




Im Unterschied zur Gegenwart sind wir in der Konstruktion des Vorstellens immer selbst der Horizont in dem die Wirklichkeit erscheint.“ aus: Der Raum. Prolegomena zu einer Architektur des gelebten Raumes, Franz Xaver Baier


"TERRA NOVA" Fotobuch 76 tlg.10x15 cm,
Fotocollagen im DIN A5 ELBA RADO Ordner, 2013 
Andrea Freiberg zerlegt Orte mit der Schere und erzeugt Leerstellen in Situ und im Kontext realer Orte: Fotografien einer abgebrannten Fleischereifabrik in Danzig, ein stillgelegter Bauhof im Münsterland und ein Wohnhaus im Umbau. Entschleunigte Räume, Orte, welche gegen den Strom unseres eingerichteten, funktionalen Lebensalltags schwimmen, fehlerhaft und unwirklich, sind Auslöser ihrer künstlerischen Feldforschung und Auseinandersetzung. Die Bilder bezeugen die Spuren des Verfalls und gleichzeitig werden die beginnenden Prozesse der Umwertung und Vereinnahmung durch Mensch und Natur sichtbar.

Architektur aus der Funktion enthoben oder Orte im Umbruch verweisen auf ihren Gebrauch und Lebensalltag, welcher in Frage gestellt, brüchig und veränderbar erscheint, wobei der Stillstand eine ganz besondere Athmosphäre schafft. Schnittstellen und Brüche erzeugen einen seltsamen Schwebezustand für neue Wahrnehmungen und Imaginationen zwischen Sein und Schein.

In ihrem 76seitigen Fotobuch „TERRA NOVA“ dokumentiert Andrea Freiberg einen verlassenen Bauhof. Durch die Zerschneidung der zweidimensionalen Fotografien und die Schichtung in die dritte Dimension entsteht eine neue Choreografie des Raumes, ein Remix zwischen Wahrheit und Fiktion. Fehlstellen in den Szenen evozieren subjektive Erwartungen und Assoziationen. 


"Kofferraum" mobile Rauminstallation, 90 x 90, 5 x 15,2 cm, mixed media, seit 2001 über die Zeit
Foto: Marek Szewczik
Das variable Raumsystem der Koffer-Installation gleicht dem eines Spielfeldes. Anlass ist der verkleinerte Nachbau (Maßstab 1:10) eines real existierenden Innenraumes des ehemaligen Industriegebäudes „Altes Brauhaus“ aus dem späten 19. Jhd. in Siegen-Geisweid. Der „Kofferraum“ ist eine temporäre Rauminstallation. Die partizipative Performance des Bausystems richtet sich auf ein Ereignis hin und greift wesentliche Merkmale von Lebenswirklichkeit, wie Mobilität, Aufbruch und Wandel in einer abstrakten Modellwirklichkeit auf. 
Aus unterschiedlichen Perspektiven verändern sich die Größenordnungen und Raumverhältnisse, so wie Orte, Dinge und Beziehungen im historischen Wechsel der Systeme und Umgebungen an Bedeutung verlieren oder gewinnen. 

Stationen
2001 Siegen, ehem. Kaufhaus KERBER„Kunstwechsel IV“ Vorstellung
2003 Köln, KunstWerk e.V.„raumkontakt“ interaktive Aufstellung
2003 Siegen, ESG Galerie „auf wieder sehen“ Abschiedsaufstellung
2003 Warschau, Kulturfabrik Norblin „BRONORBLIN“ Raumbewahrung 
2004 Gdańsk, Długi Targ „Tischgespräch“ Interview mit deutschen Touristen zur aktuellen Stunde (3.5.04)
2004 Gdańsk, stocznia (Werft) „Vor der Pforte” Raumfrage
2005 Messe Düsseldorf, Große Kunstausstellung NRW, Dokumentation im White Cube
2008 Friedrichstr. 42, Siegen „jamais vu“, Performance mit Publikumsbeteiligung
2018 WVH2, Wilhelm von Humboldt Platz 2, Siegen, Partizipation: space und cut


“Fabrik 1zu33“ Lichtinstallation, 160 x 110 x 85 cm, mixed media, 2003
Das 160 cm hohe Tischobjekt gibt im Maßstab 1:33 die Architektur der Fabrikhalle der ehemaligen Walzengießerei ROLAND in Siegen wieder. Der Innenraum des Architekturmodells entspricht einer Grundfläche von 527 m² mit der Höhe bis zu 8,54 m in der Realität. Durch einen flacheren Anbau wurde die ehemalige Außenwand der Fabrikhalle zur Trennwand zweier Räumlichkeiten mit zwei großen Durchgängen. So kann man sich zwei parallel verlaufende Gangformen vorstellen, die längs durch die Mittelwand getrennt und durch zwei torartige Öffnungen gleichzeitig verbunden sind.

Das Modell der Fabrik spiegelt eine dem realen Ort innewohnende geheimnisvolle Atmosphäre im Gefühl der Verlassenheit wieder. Aus unterschiedlichen Einblicken verändern sich die Raumeindrücke zwischen Projektion und Wirklichkeit. Durch kleine Öffnungen sind Lichtzeichnungen an den Wänden im Inneren zu sehen, die den Raum durchschneiden. Die transparente Haube reflektiert den Außenraum im Inneren. 










aus „ONE MAN SHOW” M.E., 7 Kap. in Bd. 1-7, Studio cut in A5 Elba Rado, Fotocollagen laminiert, Schöppingen 2013, Installation 2018













aus der Serie „space cut“ entleerte Bilder, fotoprints auf MDF, 2018