Villa Massimo in Rom, Arbeitsaufenthalt

PROPRIETA PRIVATA' work in progress 09/19










Studio 9 : Peter Wawerzinek (Autor und Stipendiat) & Andrea Freiberg































Jeder Tag ist eine Trophäe, work in progress, open studios 10/19                                                              Foto: Alberto Novelli


Peter Wawerzinek & Andrea Freiberg



















Jeder Tag ist eine Trophäe, work in progress 01/20

Jeder Tag ist eine Trophäe, work in progress 03/20



Venezia, 150 x 100 cm, oil on canvas, 02/20


Jeder Tag ist eine Trophäe bezeichnet meine künstlerische Feldforschung mit Fundstücken in der Stadt Rom und das Laboratorium poetischer Raumbilder im Studio. Fundstücke finde ich auf der Straße. Abgestelltes, Weggeworfenes, Ausrangiertes… Materialien, Dinge und Alltagsgegenstände, die unbrauchbar und unnütz geworden sind und keine Verwertung mehr finden. Reste und Überbleibsel unserer Zivilisation.

Im Unterwegssein bin ich ein Teil das städtischen Organismus. Ich gehe durch Straßen, über Plätze und Treppen, vorbei an Häusern, Gebäuden, Geschäften, Denkmählern, Parkanlagen und Ruinen... vorbei am Verkehrsfluss und durch den betriebsamen Lärm. Das Gehen entwickelt einen eigenen Rhythmus und die Geschwindigkeit passt sich der Neugierde und Sehlust an. Ich bleibe stehen, wenn mir etwas auffällt, mich aufhält zu erkunden und wahrzunehmen. Zerrissene Plakate sind Bilder im Bild, orangene Absperrnetze können Räume schaffen oder wir kleine Bäume am Straßenrand stehen. Sie hängen an Zäunen und Stangen. Hängen, verhangen, verweht, zerfleddert als Konterfei zur geordneten Stadtstruktur. Fahrradschlösser ohne Vehikel verweisen auf das Dagewesene.

Finden ist Erfinden. Das Finden und Auffinden ist achtsam, weniger ein Prozess des Suchens, sondern vielmehr eine aufmerksame Haltung und Wahrnehmung. Abhängig von der eigenen Tagesform und dem inneren Fokus in Beziehung zur Umwelt sind die Fundstücke immer auch ein Teil von mir selbst. Die Wahl entspringt einer intuitiven Entscheidung, als einer geplanten Absicht.

Die Entdeckung ist jedes mal überraschend und das, was nicht überrascht, ist keine Entdeckung.

Das Gefundene, bereits Entwertete und Ausgestoßene erfüllt im Lebensalltag keine Funktion mehr. Es ist zum Abfall geworden, abgefallen in seinem Wert und dennoch im magischen Schwebezustand zwischen Müll (das, was nicht mehr sichtbar ist) und Recycling im Sinne von Wiederverwertung und Neubelebung. Ich untersuche das Fundstück auf seinen formal-ästhetischen Gehalt. In Beziehung zum Raum und den bereits gefundenen Dingen wird es inhaltlich bedeutsam und poetisch lesbar. In der Form der Anordnung und Kombination werden die alltäglichen Wahrnehmungsmuster entkräftet, welche rein auf Funktion, Gebrauch und Wiedererkennung ausgerichtet sind. Das verfremdet Bekannte erweitert die Sinne für die Wahrnehmung einer assoziativen und poetischen Bildsprache.

Die Raumbilder sind veränderbar und ergebnisoffen. Somit ist das von der Kunst als Werk und gültige Form erwartete Endergebnis explorativ variabel und erweiterbar. Zustände und Bedingungen ändern sich. Ein laborativer Zustand des Provisoriums, welches das Potential des Wandels in sich trägt. Ein ständiger Prozess des Kontextualisierens und Neuordnens von vorhandenen Objekten und dazugewonnenen Gegenständen. Pulsierend, erweiternd und verdichtend.

Unmittelbar im Kontext des Ortes und seiner Geschichte entwickeln sich aus Erinnerungsspuren fiktive Bühnenbilder.

Andrea Freiberg, Rom 2020