SPACE / CUT, 2018


Im Unterschied zur Gegenwart sind wir in der Konstruktion des Vorstellens immer selbst der Horizont in dem die Wirklichkeit erscheint.“ aus: Der Raum. Prolegomena zu einer Architektur des gelebten Raumes, Franz Xaver Baier

Andrea Freiberg zerlegt Orte mit der Schere und erzeugt Leerstellen im Kontext realer Orte: Fotografien einer abgebrannten Fleischereifabrik in Gdańsk, ein stillgelegter Bauhof im Münsterland und ein Wohnhaus im Umbau. Spuren des Gebrauchs und Verfalls, beginnenden Prozesse der Umwertung und Vereinnahmung durch Mensch und Natur werden fotografisch dokumentiert. Durch die Zerschneidung der zweidimensionalen Fotografien und die Schichtung in die dritte Dimension entsteht eine neue Choreografie des Raumes, ein Remix zwischen Wahrheit und Fiktion. Fehlstellen in den Szenen evozieren subjektive Erwartungen und Assoziationen. 


silence exile, Video stop motion, 9:55 min https://youtu.be/dAzLHKGWgD4

ONE MAN SHOW, 2013, M.E., 7 Kap. in Bd. 1-7, Studio cut in A5 Elba Rado, Fotocollagen laminiert, Installation 2018

aus der Serie SPACE / CUT entleerte Bilder, fotoprints auf MDF, 2018



























































KOFFERRAUM, Gdańsk 2004, Foto: Marek Szewczik

KOFFERRAUM temporäre Rauminstallation 


mixed media, Koffer 90x90,5x15,2 cm, Raum 24x38x18,6 + 9,5x10,6 cm, Zwischendeck 89x88,5 cm, handy-man 7x2 cm, Aufstellungsfläche 300 x 300 cm


Auslöser der temporären Rauminstallation KOFFERRAUM ist der im Maßstab 1:10 verkleinerte Nachbau eines real existierenden Innenraumes eines Siegener Industriegebäudes des späten 19. Jahrhunderts. 


Das variable Raumsystem gleicht dem eines Spielfeldes. Bauvarianten von der flächenhaften Raumabwicklung bis hin zur dreidimensionalen Architekturform entscheiden sich aus den Montierfunktionen der Konstruktion. Aus der Notwendigkeit des Zusammenspiels der ineinander übergreifenden Elemente stellt ein Haltesystem die Verbindung her. Der Zusammenhalt entsteht durch indirekte wie auch direkte Übertragung der stabilitätsbildenden Kräfte. 


Die Choreografie des Bausystems entwickelt sich auf ein Ereignis hin. Elementare Wesensmerkmale gesellschaftlicher Realität, wie Wandel, Mobilität und Aufbruch sind in eine Modellwirklichkeit übersetzt. Die Handlungen, wie Auf- und Abbauen, Stellen, Schieben, Stecken, Halten oder Tragen werden an ein eigenes Vokabular geknüpft und verbünden sich partizipierend mit der Umgebung. 


Aus unterschiedlichen Perspektiven verändern sich Größenordnungen und Proportionen, so wie Orte und Dinge im Wechsel der Verhältnisse und Umgebungen an Bedeutung verlieren oder gewinnen. Wer schreibt die Geschichte und gibt den Geschehnissen einen Namen? 


Das Ende ist gleichzeitig Anfang. Das was bleibt ist dass es sich verändert.



Der TISCH ist ein Ort zur Zusammenkunft und Kommunikation.

Der RAUM verortet die Situation. 

HANDY-MAN fügt sich als Verhandelnder in die Modelllandschaft ein und bricht das System auf. 

Das FAHRGESTELL transportiert den Koffer und entortet die Situation.


STATIONEN

2001 Siegen, ehem. Kaufhaus KERBER, Kunstwechsel IV, Vorstellung

2003 Köln, KunstWerk e.V., raumkontakt, mit Lars, Hendrik und Christof, interaktive Aufstellung

2003 Siegen, ESG Galerie, auf wieder sehen, Abschiedsaufstellung

2003 Warschau, Kulturfabrik Norblin BRONORBLIN Raumbewahrung 

2004 Gdańsk, Długi Targ, Tischgespräch, Interview mit deutschen Touristen zur aktuellen Stunde, EU Osterweiterung im Mai 2004

2004 Gdańsk, stocznia (Werft), Vor der Pforte, Raumfrage

2005 Messe Düsseldorf, Große Kunstausstellung NRW, Dokumentation im White Cube

2008 jamais-vu, Friedrichstraße 42, Siegen, Performance zum Mitmachen

2018 SPACE / CUT, wvh2 Projektraum Markus Heider, Siegen-Weidenau, Auf- und Abbau




Fabrik 1zu33, 2003, Lichtinstallation
Fabrik 1zu33, 2003 Lichtinstallation, mixed media, 160 x 110 x 85 cm

Die Architektur in der Vitrine entspricht im Maßstab 1:33 der Struktur einer Fabrikhalle in der ehemaligen Walzengießerei ROLAND in Siegen mit einer Grundfläche von 527 m² mit der Höhe bis zu 8,54 m in der Realität. 

Durch einen flacheren Anbau wurde die ehemalige Außenwand der Halle zur Trennwand zweier Räumlichkeiten. Zwei parallel verlaufende Gangformen sind längs durch die Mittelwand getrennt und gleichzeitig durch zwei Portale verbunden.
Die verkeinerte Fabrikkonserve spiegelt eine dem realen Ort innewohnende geheimnisvolle Atmosphäre wieder. Melancholie in der Verlassenheit. Durch kleine Öffnungen sind Lichtzeichnungen an den Innenwänden zu sehen, die den Raum geometrisch durchschneiden. 

Verlassene Orte und Gebäude im Umbruch sind ihrem eigentlichen Gebrauch enthoben und entfremdet. In diesem seltsamen Schwebezustand der Umwertung bildet sich eine besondere Atmosphäre für neue Vorstellungen zwischen Sein und Schein.